Vielleicht kannst du die Faszination, die diese Tiere, diese Wesen auf mich ausüben ein wenig verstehen. Als ich jünger war betrachtete ich stundenlang den hellen Mond am Firmament. Ich sah mir Dokumentationen über Wölfe an, las über sie und beneidete sie um ihre Freiheit. Eine Freiheit die der Mensch nicht wirklich erfassen kann, die die wenigsten von uns Leben können. Vielleicht versuchst auch du ein wenig freier zu sein.
Hier an paar Fakten über Wölfe:
Vorkommen:
Der Wolf war bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Er war in ganz Europa und Asien bis nach Nordafrika sowie in Nordamerika beheimatet. In weiten Teilen dieses einst riesigen Verbreitungsgebietes, besonders im westlichen Europa und in Nordamerika, wurde die Art durch menschliche Verfolgung ausgerottet. In Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien, der Mongolei, und zu einem geringeren Grade dem Iran gibt es noch größere zusammenhängende Populationen. Ansonsten ist der Wolf heute nur in isolierten Beständen (manche umfassen weniger als 100 Tiere) anzutreffen.
Der Geist der Wölfe:
Wölfe haben den Menschen schon immer fasziniert, aber auch tiefe Urängste ausgelöst. Die Beziehung zwischen Wolf und Mensch, die in vielen Mythen, Legenden, Fabeln und Erzählungen geschildert wird, ist zugleich uralt und höchst komplex. Ob Furcht einflößende Märchen wie Rotkäppchen oder Gruselgeschichten von Menschen, die sich bei Vollmond in Werwölfe verwandeln - die Tiere gelten traditionell als gewitzte Räuber, zugleich aber als geradezu übernatürliche Ungeheuer.
Wie aber sieht die sanftere Seite ihrer Natur aus? In vielen Kulturen erzählt man von Wölfen, die verlorene Waisenkinder großzogen. Diese alten Mythen legen – ebenso wie neuere Erzählungen nach Art von Kiplings Dschungelbuch – nahe, dass Wölfe ausgeprägte „erzieherische Fähigkeiten“ besitzen. Dieser Ansicht sind heute auch viele Verhaltensforscher; sie gehen sogar davon aus, dass neben dem Menschen nur einige Primatenarten ihren Nachwuchs so sorgfältig auf- und erziehen.
Zu den ältesten Legenden, die von einem solchen Verhältnis zwischen Wolf und Mensch berichten, gehört die Sage von Romulus und Remus aus der römischen Zeit.
Die Mythologie erzählt von vielen Wölfen, die verwaiste oder verwirrte Kinder aufzogen. Diese Geschichten sind Ausdruck einer positiven Haltung den Tieren gegenüber. Leider rücken andere Erzählungen den Wolf in ein schlechtes Licht. Sie sind für das angstbesetzte Bild verantwortlich, das in Europa vorherrschte und den Wolf im Laufe der Jahrhunderte fast bis an den Rand der Ausrottung brachte.
So berichtet die Legende zum Beispiel von Gévaudan, einer riesigen Bestie, die Mitte des 18. Jahrhunderts in der französischen Auvergne angeblich innerhalb von drei Jahren mehr als 100 Menschen tötete. Sie soll so schrecklich gewesen sein, dass König Ludwig XV, Soldaten ausschickte, um sie zu erledigen. Tatsächlich dachte machte man einen großen Wolf nieder, doch die Angriffe gingen weiter, bis zwei weitere Wölfe gefunden waren. Auch sie hielt man für das Ungeheuer.
Heute nähren Horrorfilme das Bild des Wolfes als Verkörperung des Bösen. Sie setzen wolfsähnliche Kreaturen in Szene, die sich bei Vollmond verwandeln und nach menschlichem Blut dürsten. Der traditionelle Ruf des Wolfes als gefährlicher Koller wird also nach wie vor untermauert. Eine neuere Studie, die Kinder nach ihrer Meinung zu Wölfen befragte, kam aber zu dem überraschenden Ergebnis, dass sie sich stärker von dem Heulen als vor den Tieren selbst fürchten. Offenbar sind ihnen diese durch moderne Dokumentarfilme und Naturbücher inzwischen vertrauter geworden.
Tatsächlich gibt es kaum handfeste Belege für Angriffe frei lebender Wölfe auf Menschen. Wenn die Tiere sich Menschen gegenüber aggressiv verhalten, leiden sie in der Regel unter Krankheiten wie Tollwut. Und Wölfe die in Gefangenschaft attackieren ihrer Halter vor allem dann, wenn sie schlecht behandelt werden.
Indianische Legenden erzählen von einem heiligen Bündnis zwischen Wölfen und Menschen, in dem jeder versprach, des anderen Familie und Land zu respektieren. Die Wölfe haben ihre Vereinbarung bis heute im Wesentlichen eingehalten, während der Mensch die Tiere vielerorts systematisch vernichtet hat.
Historischer Hintergrund:
Dank eingehender Beobachtung von Wölfen in freier Natur ist mittlerweile viel über das Verhalten der Tiere und ihre Kommunikation mit Artgenossen bekannt.
Das Rudel lebt in enger Verbundenheit und umfasst meist acht bis zwölf Tiere, darunter ein ranghohes Paar – Alpharüde und Alphaweibchen. Die beiden führen das Rudel an, doch handelt es sich nicht, wie man lange glaubte, stets um die größten Tiere. Die Anführer treffen alle Entscheidungen, die notwendig sind, um das Rudel und sein Revier zu schützen. Außerdem sind sie die einzigen Tiere des Rudels, die sich vermehren.
Die Schnauze und das Gesicht des Wolfs sind unentbehrliche Körperteile für die Kommunikation unter Artgenossen. Die Alphatiere erkennt man meist leicht an den dunklen Linien im Gesicht. Auf Angehörige anderer Rudel wirken diese deutlichen Farbmarkierungen abschreckend und stellen den Status der Tiere auf den ersten Blick sichtbar dar.
Es heißt oft, dass Wölfe oder Hunde es als Herausforderung empfinden, wenn man ihnen direkt in die Augen blickt. Inzwischen geht man aber davon aus, dass weniger die Augen als vielmehr die Zähne etwas über das Machtverhältnis aussagen. Erwachsene Wölfe bringen den Welpen bei, ihre Schnauzen wegzudrehen, wenn sie sich anderen erwachsenen Mitgliedern des Rudels nähern. Dazu schnappen sie neben den Köpfen der Jungen in der Luft, damit diese ihren Kopf abwenden und senken. Dieses von klein auf trainierte Verhalten führt dazu, dass erwachsene Wölfe ihren Kopf zum Zeichen des Respekts senken, wenn sie einem ranghöheren Artgenossen gegenübertreten.
Welche Kopfhaltung ein Wolf einnimmt, hängt von seiner Stellung innerhalb der Rangordnung ab. Ein mittel- bis hochrangiges Tier bezeugt einem höher stehenden Familienmitglied Respekt, indem es seine Schnauze horizontal nach rechts oder links legt. Wird dieser Respekt missachtet, bewegt das ranghöhere Tier seine eigene Schnauze entweder auf die rechte, oder die linke Seite der Schnauze des Herausforderers. Meist reicht dies aus, um den fehlenden Respekt einzufordern. Falls nicht, stößt das höherrangige Tier ein dunkles, kehliges Knurren aus, das im Bedarfsfall intensiviert und von einem bestimmten Gesichtsausdruck begleitet wird. Ein Schnappen in die Luft neben der Schnauze gilt als letzte Warnung vor einem Physischen Kräftemessen.
Auch die Haltung der Ohren sagt viel aus. Die Ohren können seitlich abgespreizt sein und dienen dann als Verteidigungssignal. Sind sie mit der Spitze nach vorn gerichtet, lenken sie die Aufmerksamkeit auf die Schnauze und fordern Respekt ein.
Die Nackenhaare werden manchmal aufgestellt und sollen das Tier in Verteidigungssituationen größer wirken lasen. Bei dominanten Wölfen führt eine breite dunkle Linie vom Nacken über die gesamte Wirbelsäule bis zur Rutenspitze. Je breiter und fortlaufender die Linie, desto höher ist der Rang des Tieres.
((C) "Der Wolf - Faszinierende Einblicke und Spekuläre Fotografien" von Shaun Ellis und Monty Sloan)